Bremsspuren im Glas

Sunny South Africa

Neben Rooibostee, Biltong und Boerewors gibt es noch etwas, das für die “Regenbogennation” ein Alleinstellungsmerkmal ist:

Pinotage!

An der berühmten Weinuniversität in Stellenbosch bastelte Professor Perold in 1924 an einem südafrikanischen Pendant zur stets beliebter werdenden Shiraz-Traube in australischem Stil: Fruchtig, sollte sie sein, tanninhaltig, kräftig und würzig – und natürlich erkennbar eigenständig und typisch südafrikanisch!

Aus seiner Kreuzung „Perold’s Hermitage x Pinot“ (bei uns besser bekannt als Cinsault und Spätburgunder) wurde einfachheitshalber „Pinotage“.

Aber was, um Himmels Willen, ist typisch südafrikanisch?

Also nix wie entkorken, die Pulle Dunkelrot, das Glas füllen, schwenken und schnüffeln …

Sofort sehe ich mich wieder als siebenjähriges Mädchen in der Boxengasse von Kyalami stehen… Aufgewachsen in einem Vorort von Johannesburg, gab es für uns in den siebzigern nur eins, auf das wir international stolz waren: Unsere Formel 1! Den Grand Prix! (Mal ganz abgesehen von den Typen, die Cricket spielten – aber das waren ja eigentlich Engländer – und den Rowdys vom Rugby – und das waren die Boeren … Zählt also nicht!)

 

Kyalami war damals so berühmt, dass Maserati sogar ein Auto nach der Rennstrecke benannte … Aber ich schweife ab!

 

Da stand ich also in der weltberühmten Boxengasse, weil der Bruder des Chefs der Nachbarn Automechaniker war, der jemanden kannte der  … – Sie wissen schon …  Und außer dem unerträglichen Lärm ist bei mir nur eines hängen geblieben: der Geruch der quietschenden Reifen auf dem Asphalt.

Aber das kann Professor Perold mit diesem Duft ja kaum gemeint haben?!?!

Wohl kaum auch meine nächste Jugenderinnerung aus den Achtzigern:

Inzwischen hat die Welt Südafrika den Rücken zugekehrt, in den Townships wüten Krawalle, in der Luft hängt schwarzer Rauch und dieser Typische Geruch von brennendem Gummi …

(Nein! Geister der Vergangenheit! So schlimm riecht der Pinotage nun wirklich nicht!)

 

Außerdem schrieben wir das Jahr 1924, als der Professor mit seinem noblem Unterfangen beschäftigt war …

Zeit für den ersten Schluck! Vielleicht hilft das weiter.

Brombeerig, rauchig, erdig … Alles erinnert an Wild und die Savanne… Jetzt weiß ich’s! 🙂

Wahrscheinlich war der Prof auf dem Heimweg in seinem damals gerade angeschafften Dienstwagen, als ein Springbok seinen Weg kreuzte … Völlig in Gedanken versunken bemerkte er das vor Schreck erstarrte Tier zu spät, ging voll in die Eisen, ein lautes Quietschen … ein harter Knall! Die schwarzen Streifen als Zeugen auf dem Asphalt. Der Gummigeruch, den er nicht mehr vergessen würde … und nicht zu verachten: Das versehentlich erlegte Abendessen, zu dem er gerade die perfekte Weinkombination erschaffen hatte !  😉

 

So war es – und nicht anders! 😉

Cheers!

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