Cara Carménère

Zicke… die vergessene Schönheit. Zickig war es damals in Bordeaux, dieses kleine Traubenfrüchtchen. Nicht so pflegeleicht wie ihre Kollegen, der everybody’s darling Merlot oder der best friend Cabernet Sauvignon. Sie wollte nicht um jeden Preis blühen was das Zeug hält. Wenn das Wetter nicht ganz ihren Vorstellungen entsprach, dann warf sie eben jede Menge Blüten ab. Außerdem, so sagte sie sich, ich bin doch keine Hochleistungskuh, die jedes Jahr mehr Milch geben muss. Wenn ich nur wenig Wein gebe, weil mir dieses Jahr eben danach ist, dann ist das meine Sache. Pah!

Das ging solange gut, bis 1865 die Reblaus nach Europa kam. Dieses gefräßige kleine Tierchen machte keinen Unterschied zwischen pflegeleichten und zickigen Rebsorten, es fraß sich gnadenlos durch alles, was seine langen Wurzeln in die Erde gebohrt hatte. Die einheimischen Rebsorten starben ab und konnten nur auf Reblaus resistenten amerikanischen Unterlagsreben wieder angepflanzt werden.

Und da hatte cara Carménère halt schlechte Karten. War sie bis 1865 auf fast jedem Bordelaiser Weinfeld vertreten, so fand man sie jetzt kaum noch, ebenso wie ihren besten Freund, den Malbec.

Und was tut man, wenn man in der Heimat keine Anerkennung mehr findet? Man wandert aus. Zum Beispiel nach Südamerika. Während Malbec in Argentinien große Karriere machte, zog es Carménère nach Chile. Dort erging es ihr viel besser. Nicht mehr so ein Nieselregen wie im März an der Gironde und immer diese Herbstschauer, auch noch kurz vor der Lese. In Maipo, Maule oder Colchagua Valley ist es das ganze Jahr über angenehm warm.

CarmenereWAllerdings war Carménères Siegeszug durch Chile auch nur einem Irrtum zu verdanken. Da sie dem Merlot ausgesprochen ähnlich sieht, wurde sie meistens auch für eben jenen gehalten. Bis den Weinbauern auffiel, dass einige „Merlotreben“ später reiften als andere. Und dass der Wein aus diesen Trauben auch ein wenig anders schmeckte; er hatte so eine interessante Schokoladennote. Deswegen ist sie in Chile auch erst seit 1998 als eigenständige Rebe registriert.

Heute ist Chile stolz auf seinen Carménère, so wie Südafrika auf seinen Pinotage oder Argentinien auf seinen Malbec. Auch wenn der Cabernet Sauvignon mit Abstand die am häufigsten angebaute Rebsorte ist, die Carménère ist im Kommen. Und wenn nörgelige Kritiker meinen, da wäre noch viel Luft nach oben, bitteschön, dann lass sie nörgeln.

CarmenereFlascheWenn Ihr Euch selber von einem typischen chilenischen Carménère überzeugen wollt, da haben wir einen. Bio und fair gehandelt, wobei der kleine Leo immer sagt: gut und schön, aber wichtig ist im Glas. Im Glas finden sich angenehme herb-fruchtige Aromen, Brombeeren, Johannisbeeren und das für die Rebsorte so typische Schokoladenaroma. Großes Trinkvergnügen.

2014 Elemental Reserva, Carménère, trocken, Bio, Fair Trade, Kaufland, 5.99 €

 

1 Kommentar

  1. Es ist absolut richtig und wahr, was hier im Voraus berichtet wird:
    Ein tolles Gewächserzeugt einen wunderbaren Wein und ist zudem auch noch preiswert.

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