Der Weihnachtsbaum

 

Jedes Jahr im Advent darf ich, dank des Hundertachtiziggrad Adventskalenders einen kleinen kulturellen Schwank aus meinem Leben im fernen Ausland erzählen.

(Ich weiß, ich weiß … Holland?!? Ist doch nur ein Steinwurf über die Grenze, aber doch eine völlig andere Welt! Geradezu ein Kulturschock! Vor allem in der Vorweihnachtszeit.)

 

Jedes Mal zerbreche ich mir dann auch den Kopf, wie ich holländische Bräuche und das Thema Wein unter einen Hut bekomme … (Schließlich ist das hier ja doch ein Weinblog.)
Aber egal … irgendwie werde ich den Bogen schon spannen …

In den letzten Jahren habe ich schon zum Besten gegeben, warum wir in Holland keine Weihnachtsplätzchen backen und erklärt, wie der Nikolaus hier Wochenlang das Land in Aufruhr versetzt. (Nachlesen lohnt sich! Roter Text: „klick!“ 🙂 )

Jetzt, am 20. Dezember, wo sich der Advent ja schon dem Ende zu neigt, ist es höchste Zeit sich mit einem wirklich weihnachtlichen Element zu beschäftigen:

 

 

dem Weihnachtsbaum

 

Als ich vor 14 Jahren nach Holland gezogen bin, habe ich noch ganz eifrig einen eigenen Adventskranz gebunden, ihn hübsch verziert, mit vier Kerzen versehen  und – wie es sich gehört – jeweils die passende Anzahl Lichter entzündet.
„Wie bescheuert!“ fanden meine Nachbarn. „ So brennen die ja ganz ungleichmäßig ab!“ Und überhaupt!!!!! Vor dem 06. Dezember sind sämtliche Weihnachtsattribute in holländischen Haushalten ein absolutes Tabu!
Bis dahin gehört das Land, die Stimmung, die Deko im Wohnzimmer nur einem: Sinterklaas! (Und wer es immer noch nicht gelesen hat, sollte es zum besseren Verständnis spätestens jetzt tun … Klick!)

Aber kaum hat der gute Heilige das Land verlassen, der Rausch der Feierei noch nicht ganz ausgeschlafen, wird jede Erinnerung an den bärtigen Bischof ausgewischt! (Zum Glück dürfen wenigstens die Kinder ihre Geschenke behalten!) Schließlich ist bald Weihnachten!

An jeder Straßenecke stehen plötzlich die Weihnachtsbaum-Verkäufer. Nix wie hin! Mal will ja nicht der letzte sein und womöglich nur die mickrige, nadellose Fichte abbekommen.

 

 

 

 

 

 

Spätestens am Sonntag nach Sinterklaas (das ist nach deutscher Zeitrechnung der zweite Advent) erstrahlt im Wohnzimmer der Baum in seiner vollen Pracht! Wieso warten bis Heiligabend? Was für eine Zeitverschwendung! (Ganz abgesehen von lieben Geld. Schließlich ist so ein Baum ja teuer – und man soll etwas von seiner Investition haben!)

Und die Zeiten, in denen ein Platz im Baum den Engeln, Sternen und Glaskugeln vorbehalten war, sind längst vorbei! Auch Zuckerstangen haben ihren Reiz verloren …
Der Froschkönig, Paris Hiltons Chihuaha oder ein rosafarbener Motorroller vermitteln uns neuerdings das weihnachtliche Gefühl der Nächstenliebe … (Ja, Leo, auch die Weihnachtsgurke kann ein Zeichen für Frieden auf Erden sein!)  Wobei ich so meine Zweifel habe, ob dies ein holländisches Phänomen ist?!
Naja, auf jeden Fall schön bunt! Irgendetwas muss uns ja Freude machen. Es kommen ja in den Niederlanden keine Geschenke unter den Baum … (Ihr wisst schon, wegen der internen Absprachen mit Sinterklaas !)

 

 

Naja … und weil der Baum ja dann zu den eigentlichen Feiertagen schon soooo lange steht, hat man sich dann auch bereits ein bisschen daran satt gesehen! Außerdem fängt er ja jetzt langsam an zu nadeln. Wer braucht das schon? Es wird langsam Zeit aufzuräumen!

Drei Könige? Kennen wir nicht! (Sag bloß, schon wieder Leute mit Geschenken??? Das Geld ist alle und hier soll keiner auf dumme Gedanken kommen! Schließlich sind wir Calvinisten!)
„Met een schon lei het nieuwe jaar in!“ (Das ist Holländisch und heißt so viel wie: Das neue Jahr beginnt mit einem sauberen Start.)

 

Drum wird der grüne Zimmerbegleiter am 27.12. wieder abgeschmückt … Wer sentimental ist, wartet noch bis Silvester. Aber jetzt nichts wie raus damit! Tolles Brennholz für das Neujahrsfeuer! Auch sehr gemütlich!

Aber vorerst darf ich ihn noch genießen! 🙂
Es ist ja erst der 20ste!

 

Heute Abend setzt ich mich zu meinem Freund, dem Baum. Mit einem Stück Stollen (ja, den haben wir hier auch) und einem Glas Port, denn nichts schmeckt zum Weihnachtsgebäck besser! (Ha! Doch noch etwas mit Wein gefunden … 😉 )
Dann erzählte ich ihm, dass ich aus Deutschland komme. Dass ich mich in der Neujahrsnacht am Feuer der Nachbarn erwärme … Und dass er bei mir im Wohnzimmer bis zum 6. Januar stehen darf!

Euch wünsche ich ein schönes Adventswochenende! 🙂

(Und stresst nicht zu sehr, wegen der vielen Geschenke, die ihr noch besorgen müsst …)

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