Inferno

Das wird wohl wieder ein Inferno an diesem Weinrallye-Freitag … Ich mache mich auf heiße Diskussionen gefasst!

Geladen zum monatlichen virtuellen Bloggertreffen hat diesmal Drunken Monday. Das Thema heute:

“€5 – die Grenze des guten Geschmacks?”

Aufgabe war, sich einen Wein für unter € 5 zu besorgen und diesen dann zu besprechen.

Naja … Das mache ich nicht! ;-)

Schließlich stehen im Super Schoppen Shopper ausreichend Vorschläge … Diesen Spaß überlasse ich denjenigen, die sonst immer teuer trinken.

Viel lieber widme ich mich mal der Grundsatzdiskussion “Qualität hat einen Preis” – oder einfach mal ganz platt: Was ist eigentlich “Preis-Leistung”?

Nehmen wir also – auftragsgemäß – einen Wein für unter € 5,- … und machen uns Gedanken über seine Qualität.

Dummerweise hat so ein Ladenpreis viel mehr Dimensionen als nur die Weinqualität. Was darf der Händler dran verdienen? Was kostet es ihn, den besagten Wein vom Hersteller bis zum Konsumenten bekommen? Das alles sind ja schließlich auch Leistungen! Die haben allerdings nichts mit der Qualität des Weins zu tun!?

Auch wenn wir es gerne so hätten, ist es leider nicht so, dass die Endverbraucher jedes Wochenende auf ihren Drahteseln durch die Weinregionen dieser Welt radeln, auf der Suche nach dem netten Winzer, der einen prachtvollen Wein zu einem netten Preis macht. Den er dann natürlich nicht in einer verkaufsorientiert eingerichteten Verkostungsstube darbietet, nachdem man einem hübschen Hinweisschild gefolgt ist, sondern kostensparend, direkt in seiner Scheune vom Fass in die mitgebrachte Pfandflasche füllt. Man klopft auf gut Glück an einer Tür beliebigen an und trifft dann genau auf den einen Idealisten, der den leckersten Wein macht diesen für € 4,95 verkauft – für knapp unter € 5,-!

Dream on!

Aber spinnen wir diesen Gedanken doch einfach mal weiter … Was würde dieser Wein, inzwischen abgefüllt und mit hübschem Etikett versehen, im Weinladen im Dorf des netten Winzers kosten? Fairerweise mindestens einen Zehner! Davon wird dann vielleicht im Jahr eine Palette verkauft. (Also zwischen 600 und 700 Flaschen … )

Jetzt stellen wir uns vor, dieser Wein wird in allen Weingeschäften in allen Dörfern von Deutschland verkauft und auch noch in den schick herausgeputzten Fachgeschäften in den großen Städten … Das hat drei Jahre harte Arbeit gekostet: Messebesuche, Musterversand, Nachtelefonieren … Wenn wir diese Kosten auf den Wein umlegen, muss die Flasche über den Daumen gepeilt zwischen € 15,- und € 20,- kosten … Völlig zurecht! (Aber ziemlich viel, in einem Land, in dem man durchschnittlich unter € 3,- für eine Flasche Wein ausgibt …)

Diese ganze Diskussion hilft uns aber gerade nicht viel weiter, wenn wir wissen wollen, wie es um das Preis-Leistungs-Verhältnis des Weines steht, den wir im Laden für unter € 5,- gekauft haben … Darum plädiere ich hier für das Einführen der EICH-Norm! :-)

Bei einem Wein nach EICH-Norm wäre vom Verkaufspreis der Preis des Inhalts der Flasche, also des Weins an sich, verhältnismäßig am höchsten!

(Kleines Beispiel: In der Flasche stecke ein Wein für € 2,50 … Kosten für Flasche, Label, Logistik, Marketing usw. belaufen sich  auf € 3,00 pro Flasche = keine EICH-Norm! Wenn der Inhalt aber, zum Beispiel, € 2,- kostet und der Rest 1,50, dann wäre die EICH-Norm erfüllt.)

Und jetzt kommt’s:

Nehmen wir einen Wein für unter € 3,- vom Discounter (Sie wissen schon … wie im Stern-Video neulich …). Wie bauen sich da die Kosten auf? An erster Stelle kommt der Wein, an zweiter Stelle kommt die Mehrwertsteuer, es folgen die Abfüll- und Logistikkosten und an letzter Stelle kommt die Marge für den Handel … Gute Reihenfolge … (Abgesehen von der blöden Mehrwertsteuer natürlich!)

(Und damit es keine Missverständnisse gibt: NEIN, das ist natürlich nicht der Wein von unserem oben genannten Idealisten! Es ist ein Wein aus einem industriell arbeitenden Großbetrieb.)

Betrachten wir jetzt zum Vergleich einen Château Mouton 2012 … Das ist derzeit der günstigste Premier Grand Cru Classé aus Bordeaux für schlappe € 300,- pro Flasche. Die Kostenpyramide? Auf dem allerletzten Platz stehen die Kosten für den Wein: ca. € 10,-. Der Rest ist Image, Blabla, dicke Marge und jede Menge Steuern … Na toll!

Aber jeder, wie er will …

Wahrscheinlich ist es gar nicht so deutlich, wo in der Weinwelt der Übergang zwischen Ober- und Unterwelt liegt und umgekehrt … Darum schlage ich vor, sich zunächst mit einigen Klassikern zu diesem Thema in die Materie zu vertiefen:

Für die Weinkulturpfleger wäre da Dantes umfangreiche Göttliche Komödie: komplex und mit langem Abgang! Für die Realtrinker gibt es den einfach zu konsumierenden neuen Dan Brown zum gleichen Thema. ;-)

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und verabschiede mich für eine Woche in den Urlaub .. (Lektüre ist eingepackt!) ;-)

 

 

 

Und wer will, kann gerne hier stöbern nach dem, was die Kollegen Weinschreiber zum Thema zu sagen haben … ;-)

Bis bald! :-)

1 Kommentar

  1. Gerne gelesen. Herzlichen Dank für diesen unaufgeregten Beitrag. Alleine, ich glaube, die Kosten für den Wein kommen beim Supermarkt nicht an erster Stelle…

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