Vom Kreuzgang und der Auferstehung … Ein Schwank aus dem Leben der Cordula E.

 

 Wenn man es sich, wie ich, zur Lebensaufgabe gemacht hat, sich Jahr ein, Jahr aus, zu Testzwecken quer durch die Supermarktweinregale zu trinken, bekommt die Fastenzeit eine völlig neue Bedeutung!

40 Tage ohne Ruby Cabernet “gefiltert durch den Staubsaugerbeutel”, Pinot Grigio “aus der Donau geschöpft” oder das Himmlische Tröpfchen als “Aufguss von vergammelten Lilien”.

Morgens gemütlich die Tasse Kaffee genießen, mit aufgeschäumter Milch – dazu ein frisches Croissant – statt ins Labor zu eilen, um sich an einem schwerleibigen Franzosen, genannt Bordeaux, zu vergreifen…

Endlich mal die Kinder mit einem breiten Lächeln vom Schulhof abholen – ohne sich des aufdringlichen roten Weinbelags zu schämen, der sich nach der morgentlichen Schlürf-Gurgel-Spuck-Sitzung auf den früher mal so blitzeblanken Vorzeigenzähnen eingenestet hat. (“Nein, meine Mama ist keine Alkoholikerin, sie trinkt beruflich, haha!)  

Wie kommen bloß alle darauf, dass ich den idealen Beruf gefunden habe?

Wirklich himmlisch – diese Auszeit!

 

Am zwanzigsten Tag fängt man jedoch schon an zu zweifeln… Fällt denn der Wein überhaupt unter die Abstinenzregelung, wenn man ihn wieder ausspuckt? Ist Verkosten – statt Trinken – des Göttertrunks nicht vielleicht doch erlaubt?

Auf einmal vermisst man die Nachbarn, die ansonsten allabendlich in der Einfahrt erscheinen, um eine angebrochene Flasche „Baron de Rothschild“ für das romantische Diner zu ergattern. Horst, von der anderen Straßenseite, hat  auch schon lange nicht mehr geklingelt, um den Vorrat „weiß und lieblich“ für den Kegelclub anzufüllen… Bei Cordula ist eben gerade nichts zu holen… Zeit für Besinnung!

 

Ab dem dreißigsten Tag ist man sich sicher! Vergessen sind alle fürchterlichen Kopfschmerzfusel! Man erinnert sich nur noch an den „Schwarz-Weiß“, „den gefährlichen Charmeur, der nicht enttäuscht“, den Weißburgunder mit der sanften Seite und den idealen Tapaswein – kernig und jung… und all die anderen Ritter in der goldenen Rüstung!

Recht haben sie, die Freunde, die mich um meinen Job beneiden!

 

Zehn, neun, acht… Nur noch wenige Tage bis Ostern!

Schon mal ein bisschen stöbern kann ja nicht schaden…

 

Ausgelassen und ein wenig gespannt– fast wie ein Kind beim Ostereiersuchen – stehe ich beim nächsten Großeinkauf vorm Weinregal, dem exotischen Dschungel des Supermarkts…

 

Ich suche zuerst im Unterholz: hier tummeln sich meist die süßen Sonderlinge. Und siehe da – der erste Fund! Eine Flasche, die man fast als Osterei mit Stil beschreiben könnte. Dick, rund, altrosa und süß. Niedlich! Husch, husch, ins Körbchen! Oma wird sich freuen.

 

Tiefer ins Dickicht… Dunkel, rot und kräftig…

Hier! „Empfohlen zu Lamm“, verkündet das Rücketikett. So manchen dürfte dieser Tropfen am Ostersonntag ja erfreuen, mir dreht sich allerdings sofort der Magen um, wenn ich an das arme Tier denken muss, das sich so festlich am Spieß überm Osterfeuer dreht… Zurück ins Regal! Soll sich ein anderer dran laben.

 

Ein Fach weiter begegne ich einem alten Bekannten , dem „Vin de Pays –Idealer Begleiter zu Wild, Käse und anderen Gelegenheiten.“ Ich erinnere mich! Das einzige Wild, zu dem ich ihn empfehlen wollte, war damals ein angefahrenes Karnickel! Ist vielleicht auch nicht gerade der Renner, solange der Osterhase noch durchs Land hüpfen soll…

 

Bei der Lichtung am Ende des Gangs wird wir warm ums Herz.  Den glitzernden Folienwickeln an den schlanken Flaschenhälsen kann man auf der Ostersuche nun wirklich nicht widerstehen. Und ein Bisschen prickelnden Esprit zum Sonntagsbrunch wird niemand verhöhnen.

Schon nicht mehr ganz so leer in meinem Einkaufswagen…

 

Wer sucht, der findet! Und so lotse ich nach ausgiebiger Expedition mein beladenes Shopping-Gefährt in Richtung Ausgang. Für jeden ist wieder etwas dabei. Auch eine Flasche, die ich mit gutem Gewissen zum Festessen auftischen werde, nachdem die Kinder pro Kopf 10 Eier ausgeblasen haben:

Einen Riesling, feinherb: „…mit einem Hauch von mehligem Apfel. Schmeckt besonders zu Eierspeisen“.

Zum Wohl! 😉

 

Bis nächste Woche! 🙂

 

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