Müller-Thurgau und das Monster von Dr. Frankenstein

Einmal im Monat trifft sich die Bloggergemeinschaft zu einem virtuellen Stelldichein: der Weinrallye. Das Thema wird vom jeweiligen Gastgeber vorgegeben, jeder der mag, schließt sich mit einem Beitrag an. Zum Neustart nach dem Winterschlaf hat Cucina Casalinga eingeladen.

Das Thema: Müller-Thurgau.

Dafür verschieben wir gerne die eigentlich für heute geplante Geschichte in der Rubrik “Andere Länder, andere Sitten” und widmen und noch einmal der Rebenkunde …

Müller-Thurgau und das Monster von Dr. Frankenstein

 

 

Ohne unseren schweizer Freunden zu nahe treten zu wollen, scheint es, als hätten die Eidgenossen nicht immer ein glückliches Händchen beim Versuch auf künstliche Weise etwas Schönes zu schaffen. 😉

 

Betrachten wir doch einmal zwei gelehrte Schweizer, die in den vergangenen Jahren gut gemeinte Missgestalten gebastelt haben: Dr. Herman Müller aus Thurgau (an der Lehranstalt Geisenheim) und Viktor von Frankenstein (an der Universität Ingolstadt). Ein bisschen „Copy-Paste“ mit der DNS und „Schnipp-Schnapp-Papp“ aus dem Ersatzteillager und fertig waren das weinende, Bärenmonster und die Monsterweinbeere.

Zur Ehrenrettung der Herren sei gesagt, dass beide Geschöpfe mit den besten Absichten in die Welt gesetzt wurden. Zum Glück ist das Monster von Frankenstein inzwischen Vergangenheit. Was man von der Müllerschen Kreation nun nicht behaupten kann… Wenden wir uns also der Geschichte dieser Müller-Thurgau Traube zu:

 

 

Der Plan des Dr. Müller war gut:

Die Qualität des Rieslings vereint mit dem Vorteil der frühen Reifung der Madeleine Royal. (Madeleine, im Juli reif, benannt nach Maria Magdalena, deren Namenstag am 22 Juli gefeiert wird.)

Aber auch wenn Maria Magdalene hier so hoffnungsvoll singt „everything is okay, everything is fine“, war die Jugend der Müller-Thurgau alles andere als auf Rosen gebettet. Sie wurde den Erwartungen einfach nicht gerecht. Fern der eleganten Riesling-Nuancen speckte sie als Ertragsknaller höchstens die Kassen der Winzer, die sich der Bequemlichkeit verschrieben hatten. Masse statt Klasse …

 

In den Wirtschaftswunderjahren wurde Massenproduktion beliebt und so kam es, dass die Müller-Thurgau plötzlich nicht nur in Deutschland boomte, sondern als Exportschlager auch nach Neuseeland durfte, wo man gerade anfing, sich der Weinindustrie zu widmen.

Die „Wunderrebe“ entpuppte sich jedoch als Kuckucksküken, das die schönsten Trauben aus ihrem Nest verdrängte. In Neuseeland  musste Sauvignon Blanc dran glauben, in Deutschland wurde Riesling zum Waisen.

Den Neuseeländern wurde das Spiel zu bunt! Neues Jahrtausend, neuer Start! Mit Hilfe einer ganzen Rodungsmannschaft wurde die Traube des Landes verwiesen. Jetzt beschränkt sie sich wieder auf ihre alte Wahlheimat Deutschland.

Hier war man geduldiger mit diesem schweizer Projekt … und inzwischen hat man die Gute sogar erzogen. Ab und zu wird sogar was richtig leckeres draus! Und wo die kommen die erfreulichen Exemplare meistens her? Aus Franken!

Franken … Franken? Da war doch was …  😉

 

 Was unsere Bloggerkollegen zum Thema zu melden haben, ist hier zusammengetragen.

 

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