Original, originaler geht’s nicht …

spaghetti bolu2Fragt man junge Leute, was sie am liebsten essen, so antworten mindestens 8 von 10 „Spaghetti Bolognese“, auch gerne als „Bolo“ oder „Bolu“ abgekürzt. Bolu, das sind Kindheitserinnerungen an verschmierte Münder, Flecken auf dem T-Shirt, Nudeln genussvoll in den Mund gesogen.

„Wie esst Ihr Eure Bolu?“ fragte ich letzt noch einen guten Bekannten. „Heizung auf Anschlag und dann obenrum nackig!“

Fragt man Hausfrauen/männer, Köche/Köchinnen oder Gourmets/Gourmands nach ihrem Lieblings-Bolu-Rezept, dann gibt es nichts, was es nicht gibt. Und es gibt, so scheint’s, kaum etwas, über das sich trefflicher streiten lässt, als über das „originale“ Originalrezept. Mit Tomatensugo oder ohne? ins Original kommt Hühnerleber und Sardelle rein – Gottbewahre nein! doch! nein! doch! mit Weißwein oder Rotwein abschmecken? Oregano dazu – bloß nicht! oder vielleicht doch?

Genau genommen ist das Ragù alla Bolognese ein Arme-Leute-Essen, Resteverwertung und man gab an Fleisch und Gemüse hinein, was gerade so zur Hand war. Hauptsache alles war fein gewiegt und durch stundenlanges sanftes Schmoren verbanden sich die Aromen. Und natürlich hat jede Familie ihr eigenes Rezept und den einen oder anderen kleinen Kniff, den sie natürlich niemals verrät. Höchstens von Schwiegermutter zu Schwiegertochter, um zu zeigen, dass letztere nun wirklich zur Familie gehört und um sicherzustellen, dass der hoffnungsvolle Filius sein Lieblingsgericht weiterhin genauso vorgesetzt bekommt, wie er es von Hotel Mamma gewöhnt ist.

Wir begeben uns jetzt erst gar nicht auf das Glatteis der Diskussion um das richtige, einzige, wahre Bolu-Rezept. Cordula ist Vegetarierin und genießt sowieso lieber die Linsen-Variante, für Michel kann nicht genug Fleisch drin sein, Moneypenny möchte kein Tomatensugo im Ragù … usw. … usw.

184 Castello di querceto ChiantiEinig sind wir uns aber beim Wein.

Wir finden, zum Ragù alla Bolognese gehören einerseits Tagliatelle und andererseits ein Chianti Classico, elegant, aber dennoch mit kräftigem Biss, dicht, weich, verführerisch. Das bringt das sinnenfrohe Italien in unseren grauen November und bei einem Glas lässt sich über Rezepte wunderbar diskutieren.

Und was trinkt Ihr am liebsten zu „Spaghetti Bolu“?

2011 Castello di Querceto, Chianti Classico Riserva
Kaufland, 13,79€

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