Prosecco – oder die normative Kraft des Faktischen

Mäuse GartenSommer – Sonne – Gartenfest – Prosecco. Was für ein wunderbarer Accord.

Prosecco, das ist doch dieser italienische Schaumwein?

Das klingt schon so fein prickelnd, trocken und beschwingt. Deswegen haben sich andere Weinbauländer die Nachsilbe -secco auch gleich gemopst, um damit leichte Perlweine zu bezeichnen (die übrigens hier in Deutschland, wenn mit zugesetzter Kohlensäure, einem Druck unter 2.5 bar und ohne die klassische Agraffe des Sektflaschenverschlusses hergestellt, von der Sektsteuer befreit sind).

Dabei hat die Sache einmal ganz anders angefangen und zwar so:

GleraProsecco war der Name der eingesetzten Rebsorte und die Weine werden mitnichten nur schäumend (frizzante), sondern auch als Stillwein (tranquillo) ausgebaut.

Der Prosecco hat eine lange bewegte Geschichte, die manche Weinhistoriker sogar bis in die Römerzeit zurückdatieren. Der Name wird zurück geführt auf ein Gedicht aus dem 18. Jahrhundert, das Bezug nimmt auf einen Ort namens Prosegg, das allerdings weit entfernt vom heutigen Anbaugebiet liegt. Auch weist das Wortbestandteil „secco“ mitnichten auf einen trockenen Wein hin (es gibt ja auch ganz viele süße), sondern wird auf den slawischen Begriff „proseku“ zurückgeführt, der abgeholzte Fläche bedeutet.

Doch das konnten die Weinbauern aus dem italienischen Friaul und Venetien, wo der Prosecco erzeugt wird, erklären, so oft sie wollten. Prosecco blieb im Verbaucherhirn als Marke und nicht als Rebsorte haften. Dem deutschen Dornfelder schien ja auch einmal ein ähnliches Schicksal zu drohen.

Und wenn der Verbraucher das so will, dann soll es eben so sein. 2009 entschied man sich, die in den entsprechenden Anbaugebieten erzeugten Weine ganz offiziell Prosecco zu nennen und die Rebsorte heißt seitdem Glera. Gleichzeitig erließ man einige Richtlinien zur Erhöhung der Qualität, da wegen der großen Nachfrage oft lieblos dafür aber in großer Menge teilweise sogar im Ausland erzeugte Weine stark am Image des Prosecco und seines Gebiets kratzen. Ernsthafte Weinkenner (und solche, die sich dafür halten) rümpften jedenfalls über Prosecco die Nase und griffen lieber gleich zum Champagner.

Nun darf nur noch Prosecco heißen, was auch in den Provinzen Belluno, Gorizia, Padova, Pordenone, Treviso, Triest, Udine, Venetien und Vicenza erzeugt und abgefüllt wird. Auch ist die Abfüllung in Aluminiumdosen untersagt.

Und auch wenn das Wetter (zumindest hier, „frühlingsfern“ nannte es der Radiosprecher heute Morgen beim Wetterbericht) heute eher nach einem Herz und Gemüt wärmenden Rotwein schreit, holen wir uns doch ein bisschen Sommergartenfeeling mit einem Prosecco ins Haus und schauen uns noch einmal die Bilder vom letzten Strandurlaub in Italien an.

221 La GioiosaDazu genießen wir einen Prosecco mit weicher sanfter Perlage (wie man das Prickeln eines Schaumweines in Fachkreisen nennt). Auch wenn die Flaschenform etwas gewöhnungsbedürftig aussieht, wichtig ist doch der Inhalt. Der hat leichte, fein zitronige Fruchtaromen und ist angenehm trocken. Gut gekühlt ein besonders feiner sommerlicher Genuss.

 

Gioiosa, Prosecco, Treviso, Kaufland, 4.99€

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.