Schaatskoorts

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt …und jeden Tag ein Türchen des Adventskalenders öffnen … Weihnachtplätzchen backen, hübsche Sachen basteln, die weihnachtliche Vorfreude zelebrieren! So kennen wir das!  

Kaum vorzustellen, dass es anders wäre …

Und so ergibt es sich, dass ich, als Türchen Nummer 14 im Hundertachtziggrad Adventskalender, von meinem Leben in Holland erzählen darf …

 

Holland – der kleine Nachbar zur Linken, nur einen Katzensprung entfernt … aber doch eine völlig andere Welt!

Im letzten Jahr habe ich erzählt, wie es bei „uns“ zu Nikolaus zugeht … (Wer es verpasst hat, kann ja hier noch einmal nachlesen.) In diesem Jahr erkläre ich, warum man in Holland nun wirklich keine Zeit zum Plätzchenbacken hat:

SCHAATSKOORTS!

(Und wenn man das richtig holländisch ausspricht, klingt es noch VIEL gefährlicher!)

Also: Scharfes S, dann ein gurgelndes CHCHCHCHCHCH (das so klingt, als wolle man sich einen Schleimbrocken aus dem Hals entfernen), ein langes AAAAAA, das abrupte TZ und dann das KOORTS mit einem weichen R … (Einfach mal einen Korken in den Mund stecken und probieren KURZ zu sagen … kommt hin!):

SCHAATSKOORTS!

Was klingt wie eine gemeine Krankheit ist der Grund, dass, sobald das Thermometer fällt, kein Holländer mehr ruhig schlafen kann! Das Schlittschuhfieber …

Angeboren und in den Genen verankert, trifft es hier jeden, sobald der Nullpunkt unterschritten wird. 😉

Man tigert nervös vor dem Fenster auf und ab … Ist es schon kalt genug? „Man geht nicht über das Eis einer Nacht!“ warnt das Sprichwort. Die Schlittschuhe stehen vorsichtshalber schon bei der Haustür, die langen Unterhosen liegen bereit. Jede Stunde einmal mit der Bohrmaschine die Dicke der Eisschicht kontrollieren … Und wenn man durchs Fenster zufällig sieht, dass der Nachbar die Kufen schnürt, dann heißt es rennen!!!!!

Nicht auszudenken, wenn man nicht als Erster auf dem Eis ist!

 

 

Für diese Ehre nimmt man gut und gerne in Kauf, dass man alle ab und zu halt mal nicht der Coolste ist …

 

 

Mathe, Bio, Rechtschreibung? Selbst der Schulunterricht wird spontan angepasst … Schließich will ja niemand, dass die lieben Kleinen auf die Idee kämen, auf dem Eis Pirouetten zu drehen (wie albern!) oder kleinen Scheiben nachzujagen …

 

 

 

Ordentlich, im strammen Strampelanzug, in gebückter Haltung im Affenzahn geradeaus! So und nicht anders!

 

So habe auch ich mir anfangs als Neubürger eine Abreibung eingefangen, als ich, quietschfidel  meine alten weißen Kunsteislaufschuhe (WTFROFLOL!?!?!) aus dem Schrank holte, die ich (damals noch in Deutschland) zu meinem vierzehnten Geburtstag bekommen habe (nur selten getragen – fast wie neu!), um mich mit den Nachbarn am winterlichen Vergnügen zu freuen. Lediglich die vorweihnachtliche Nächstenliebe (und eine Riesenportion echtes Mitleid) haben mich vor einer Dämonenaustreibung mit Knoblauch und Kruzifix gerettet!

Ab in den Einbürgerungskurs!!!! (klick)

Inzwischen bin ich ordentlich integriert! Ich habe „Klapnoren“, so wie es sich gehört! Nur mit dem Strampelanzug habe ich mich noch nicht so richtig angefreundet …

Immerhin! Ich darf aufs Eis und ich bekomme auch mein „Koek en zopie“! 🙂 (Das spricht man Kuck und Sopi – mit anderen Worten: Kuchen und Gesöff!)

 

 

 

 

 

 

Wenn ich mich endlich überwinden könnte, dann auch noch die SNERT zu probieren, dann darf ich mir im nächsten Jahr vom Weihnachtsmann vielleicht auch mal wieder hübsche Schlittschuhe wünschen:

 

SNERT? Genau! Hört sich noch unappetitlicher an als SCHAATSKOORTS! Darum erspare ich mir hier auch ein Rezeptvorschlag für die Erbsensuppe mit Schweinefüßchen

Wein dazu?

Quatsch! Zur Not geht Glühwein, aber die „Echten“ trinken Jenever!

 

Jetzt aber nix wie weg … die Nachbarn rennen schon! 😉

(Und wenn ich jetzt ganz ehrlich bin: Plätzchenbacken oder Schaatsen? Meine Antwort findet ihr hier!)

 

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