Ladies and Gentlemen … the Queen

elizabeth iiDrei Tage war sie bei uns, Elizabeth II und ihr reizend bärbeißiger Gemahl, Prinz Philip (den ich persönlich sehr schätze).

Erstaunlich, ihre Kondition, ihre Disziplin und – wenn man den Berichten Glauben schenken darf – ihr scharfer politischer Verstand. Immerhin wird sie bald…. nein, nein bei einer Dame redet man doch nicht über das Alter. Immerhin hat sie 12 Premierminister kommen und 11 gehen sehen, 7 Päpste, sämtliche deutsche Bundeskanzler und sämtliche Präsidenten der fünften französischen Republik, sowie 11 amerikanische Präsidenten. Im Dienste des britischen Außenministeriums hat sie den Globus mehrfach umrundet, zu Land, zu Wasser und durch die Luft. Für nicht wenige Menschen ist sie eine wenn nicht die einzige tagespolitische Konstante im Leben.

Was nun aber serviert man einer Königin zu den unvermeidlichen Staatsbanketts? Pommesbude reicht völlig, grummeln die Republikaner, die die Monarchie für eine überkommene Institution halten. Ich bitte Euch, ein Staatsoberhaupt sollte sich ja wohl jeder Staat leisten können. Und die betriebswirtschaftliche Kosten/Nutzenrechnung eines Königshauses fällt am Ende gar nicht so schlecht aus.

Zurück zum Essen: Einfach und regional, so heißt es, bevorzuge Ihre Majestät. Und so kam sie u.a. in den Genuss von Müritzlamm, den sieben Frankfurter Kräutern und Apfelweinsorbet.

Und dazu ein gutes Glas Wein.

hockDa hatten die Frankfurter, die zum ersten Mal auf dem Besuchsplan Ihrer Majestät standen, natürlich DAS As im Ärmel. Sie servierten einen Hock. Der kommt aus dem Rheingau, vom Königin-Victoria-Weinberg, benannt nach der Ur-ur-Großmutter Elizabeths, der Königin Victoria.

Und das kam so: Im Jahre 1845 unternahmen Königin Victoria und ihr Mann, Prinz Albert, eine Reise durch Deutschland, die sie auch in den Rheingau führte. Lieblicher Rheingauriesling, insbesondere aus Hochheim, war in England sehr populär und wurde auch bei Hofe gerne getrunken. Und weil man das deutsche Wort Hochheim nicht aussprechen konnte, nannte man den Wein in England kurz und knackig „Hock“. Good Hock keeps off the doc, war seinerzeit ein populärer Spruch. Darüberhinaus gehörte der Hock damals zu den begehrtesten Weinen der Welt, gleichauf mit den großen Bordeaux.

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„Königin Victoria Denkmal Hochheim am Main“ von Frank Winkelmann – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons –

Königin Victoria interessierte sich sehr für den Anbau ihres Hock. Der Winzer des Weinbergs, der damals noch Dechantenruhe hieß (der Weinberg, nicht der Winzer, der hieß Georg Michael Papstmann), sah sofort eine einmalige Gelegenheit und bat um die Genehmigung, den Weinberg in Königin-Victoria-Weinberg umbenennen zu dürfen. Zum 35. Geburtstag Ihrer Majestät ließ er ihr sogar ein Denkmal auf dem Weinberg errichten. Seit dieser Zeit findet der Wein vom Königin-Victoria-Berg in England guten Absatz und auch die Japaner, lieblichem Weißwein durchaus zugetan, importieren ihn gerne.

Wie die zweite Elizabeth den Hock findet, ist nicht überliefert. Aber sie wird – diplomatisch wie sie ist –  sicher nicht den Geschmack ihrer Ahnin oder die Auswahl ihres Gastgebers in Zweifel gezogen haben. Jedenfalls soll sie nur kurz am Glas genippt haben. Was in Anbetracht ihres Restprogramms durchaus verständlich ist. Und vielleicht hat sie sich abends in ihrer Royal Suite dann einen Sherry genehmigt. Der sei ihr von Herzen gegönnt.

God save the Queen.

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