Vive le Tour oder „nach dem Berg ist vor dem Berg“

fahrrad rennenKommenden Sonntag ist sie dann auch wieder Geschichte, die 102. Tour de France, diese legendäre Radrundfahrt rund um das Hexagon. Voller Geschichten, Skandälchen und Skandalen übt sie dennoch ihre Faszination auf alle Radsportfans aus. Sie alle wünschen sich, dass sie auch einmal so scheinbar mühelos die Berge hochradeln könnten, durch all diese Haarnadelkurven bei Steigungen von gefühlt wenigstens 25%. Wenn ich auf diesen unwegsamen Sträßchen gemütlich mit dem Auto fahre, wird mir schon schwindelig.

Um die Tour ranken sich viele Geschichten. So müssen es in den Anfangsjahren die Fahrer mit dem fairen Sportsgeist auch nicht so eng gesehen haben. Von einem wird berichtet, dass er eine Strecke mit dem Zug gefahren sei, als seine Beine schwer wurden. Ein anderer hat eine Abkürzung gekommen und einige haben zu leistungssteigernden Mitteln in Form des Vin du Pays, des Landweins, gegriffen.

Auch die Teams untereinander scheuten sich nicht, der Konkurrenz ordentlich mitzuspielen. Es wird berichtet, dass einem aussichtsreichen Fahrer Abführmittel in seine Wasserflasche geschmuggelt wurde. Auch Juckpulver und Schlafmittel sollen den Wettbewerbern schon heimlich verabreicht worden sein. In den 20er Jahren war übrigens Strychnin als leistungssteigerndes Mittel sehr beliebt. Dagegen leben wir heute doch wirklich in seligen Zeiten 😉 .

Die Zuschauer waren ebenfalls nicht gerade pingelig, wenn es darum ging, die Konkurrenz ihrer Lieblingsfahrer auszuschalten. Sie streuten Nägel auf die Straße oder verprügelten missliebige Radler. Dagegen sind ja heutige Urinbecherwürfe geradezu lächerlich.

Die Geschichte der berühmtesten Roten Laterne der Tour (so nennt man den, der bei einer Etappe als letzter ins Ziel fährt), soll hier ein wenig ausführlicher erzählt werden, schließlich lieben wir gute Geschichten, bei denen Wein eine Rolle spielt.

Abdelkader Zaaf, ein algerischer Rennfahrer, machte 1950 bei der 13. Etappe von Perpignan nach Nîmes einen wirklich tollen Job. Unter sengender Hitze startete er einen erfolgversprechenden Ausreißversuch und fuhr einen Vorsprung von sage und schreibe 16 Minuten heraus. Dann aber bekam er höllischen Durst und ließ sich eine Wasserflasche reichen. Dummerweise befand sich in der Flasche allerdings Weißwein. Eine andere Version der Geschichte sagt, dass er an einem Bistro stoppte und sich zwei Flaschen Weißwein kaufte. Unstrittig ist, dass er an diesem Tag ohnehin schon unter Drogeneinfluss stand.

alpe d huez

Alpe d’Huez

Und so kam es, wie es kommen musste: Wein und Hitze taten ihr Übriges, Abdelkader wurde müde, stieg vom Rad und legte sich am Wegesrand zu einem Nickerchen hin. Dort fanden ihn Zuschauer, die ihn umgehend aufweckten. Das Fahrerfeld war schon vorbeigezogen. Eilig stand Abdelkader auf, schwang sich auf sein Rad und fuhr los. Nur leider in entgegen gesetzter Richtung. Zur 14. Etappe ist er dann erst gar nicht mehr angetreten.

Radsport und Wein ist übrigens auch im Super Schoppen Team beliebt. Chefverkoster Michel trainiert gerade für den Ironman. Und um Dienstliches und Sportliches miteinander zu verbinden, fährt er die ca. 75 km von zu Hause zum Verkostungsraum mit dem Rennrad, verkostet brav sein Tagespensum und fährt dann wieder zurück. In Rekordzeit – versteht sich! Chapeau, Michel!

Und nicht verpassen: Morgen ist die legendäre Etappe von Alpe d’Huez.

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