Wie kommt der Wein in die Flasche?

böckeGanz einfach: Flasche auf, Wein rein, Flasche zu! Oder? 😉

Seitdem der Mensch sich aufs Glasmachen versteht, wird Wein in Flaschen abgefüllt. Historische Behältnisse wie Ziegenlederschläuche oder Tonamphoren waren zwar leidlich zweckmäßig, erstere hatten aber die dumme Eigenschaft, eigene Aromen an den Wein abzugeben, und zweitere sind ungeeignet für die so genannten haushaltsüblichen Mengen. Eine Glasflasche hat den unschätzbaren Vorteil, dass sie geschmacks- und geruchsneutral ist und einen Blick auf ihren Inhalt erlaubt. Damit man nicht immer gleich überrascht ist, wenn die Flasche leer ist.

Wie nicht anders zu erwarten, gab es früher keinerlei genormte Flaschen, alle möglichen Formen, Farben und Volumina waren vertreten. Auch das Etikett, das genau draufschrieb, was in der Flasche drin war (oder sein sollte), wurde erst ziemlich spät erfunden. Davor wurden wesentliche Informationen eingeritzt, ins Glas geprägt oder man musste sich eben merken, welcher Wein in welcher Flasche war.

Standardisierte Flaschenformen gibt es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Weinkellerbesitzer sind darüber sehr dankbar. Gleichartige Flaschen lassen sich in den Regalen gut stapeln, ohne umherzurollen und den Inhalt ohne den Umweg durch die Kehle des Besitzers gleich der Kanalisation anheim zu geben.

Natürlich ist die Weinwelt viel zu unterschiedlich, als dass man sich auf eine einzige Flaschenform jemals würde einigen können. Aber immerhin verteilt sich der überwiegende Teil aller Weine in die vier Flaschenformen Bordelaise, Burgunderflasche, Schlegeflasche (vor allem in Deutschland und im Elsass bekannt als Rieslingflasche) und die bekannte Champagnerflasche für Schaumweine.

FlaschenformenUnd dann gibt es noch so reizende kauzige Flaschen, die typisch sind für eine bestimmte Region. Die Rosés der Provence wurden früher fast alle in diesen glockigen so genannten Mädchenrockflaschen abgefüllt. Inzwischen gibt sich gerade die Provence lieber mondän und übt sich in den ausgefallensten Formen, die eher an Olivenöl-, Parfum- oder Cognacflaschen erinnern. Unpraktisch für den Keller (aber wer lagert schon Rosé ein?) aber sehr repräsentativ auf St. Tropez‘ Yachten.

Auch in Deutschland können wir mit einigen Exoten aufwarten, von denen der bekannteste Kandidat wohl der Bocksbeutel ist, im Fränkischen beheimatet und mit liebenswürdigem Häkeldeckchen- und Butzenscheibenromantikmief umgeben. Der Name soll übrigens, so eine Version, wirklich das bezeichnen, was ihr Schelme denkt, nämlich den Hodensack eines Ziegenbocks. Dieses Leder wurde in Vorflaschenzeiten in der Tat zum Transport von Wein und anderen Flüssigkeiten genutzt.

Dann gibt es daneben noch die brave Erklärung, nämlich, dass sich der Name von „Bugsbeutel“ ableitet, der Bezeichnung für eine Feldflasche, die fromme Mönche mit zur Feldarbeit nahmen (und die natürlich nie etwas Anderes enthielt als klares Wasser).

Bocksbeutel_PS_frontal_hell_2015

Der neue Bocksbeutel

Wie auch immer, in Zeiten cooler Hippness, befanden die Franken, ist so ein Bocksbeutel nicht mehr up to date. Ein Facelift muss her. Der Bocksbeutel muss jünger, schicker, moderner werden. Dass er einfach wegfällt, ist natürlich undenkbar. Ein klassischer fränkischer Silvaner in der Bordelaise? oder der Rieslingflasche? Bis dahin werden noch ein paar Generationen ins Land gehen. Und dann kommt der Wein sicher sowieso aus dem USB-Stick 😉 .

Hier ist der neue Bockbeutel, etwas schlanker, etwas geschliffener. Wir fragen jetzt nicht, wie es um seine Kellerstapeleigenschaften bestellt ist. Da war die alte Form eigentlich ganz stabil (solange man ausschließlich Bocksbeutel aufeinanderstapelte).

Der Wein von morgen kommt noch im klassischen Bocksbeutel daher. So könnt Ihr jetzt entscheiden, ob dieses Facelift gelungen ist, oder ob Euch die alte Form vielleicht doch besser gefällt.

Über den Wein selber jedenfalls gibt es überhaupt nichts zu meckern, ein klassischer Müller-Thurgau mit seinen typischen Aromen von reifem Apfel, Limette und Mirabelle, auch ein wenig Holunderblüte. Ein kleines Süßeschwänzchen rundet ihn ab und macht ihn zu einem unkomplizierten freundlichen Begleiter in den Feierabend. Und zum Spargel, traditionell mit Hollandaise und neuen Kartoffeln (ist ja gerade die Zeit) passt er auch prima.

Der Müller-Thurgau teilt übrigens das Schicksal des Bocksbeutels. Er musste sich auch einer Verjüngungskur unterziehen. Sein Name wurde als zu 22 Aldi Süd MüThu Kabinettaltmodisch empfunden und so heißt er jetzt zwar nicht immer aber immer öfter: Rivaner.

 

2013 Müller-Thurgau Fränkisches Weinkontor, Kabinett, halbtrocken, Aldi Süd 3.19€

 

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