Wein über den Wolken

Up in the air! Wer täte es jetzt nicht gerne Cordula nach und bestiege das nächste Flugzeug, um in den Urlaub zu fliegen. In der Phantasie hockt man natürlich nicht eng eingepfercht im Charterflieger, fummelt ein labbriges Brötchen aus einer Cellophantüte und trinkt dazu lauwarmen Tee.

Nein, man sitzt in eleganten First Class Ledersitzen und lässt sich ein exklusives Menü natürlich mit dem passenden Wein servieren.

Was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit eine Wissenschaft für sich. Denn 30.000 Fuß über der Erde herrschen in der Flugzeugkabine andere Bedingungen als in einem Restaurant auf der Erde: Kabinendruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und weitere Parameter wirken sowohl auf den Menschen als auch auf die Lebensmittel ein und deswegen schmeckt alles in der Luft ganz anders als am Boden.

Tee und Kaffee haben meistens überhaupt nichts gemeinsam mit dem, was wir gewohnt sind. Das liegt nicht daran, dass die Fluggesellschaften ausgerechnet an den Teebeuteln sparen, sondern daran, dass wegen des Luftdrucks in der Kabine Wasser bereits bei 90°C kocht, was jetzt nicht eben geschmacksfördernd ist. Und auch unser eigenes Geschmacksempfinden ist bei Erreichen der Flughöhe verändert.

Wein schmeckt in der Luft nicht nur verändert, auch der Alkohol wird anders (nämlich schwächer) wahrgenommen, der fette australische Shiraz mit seinen 17,5 vol% kommt einem vor wie ein leichter deutscher Spätburgunder. Fruchtaromen, Süße, Salz alles wird weniger stark, dafür werden Säure und Gerbstoffe (bitter)  intensiver wahrgenommen.

Die großen Fluglinien engagieren deswegen Weinfachleute, die es verstehen, einen Wein am Boden auszusuchen, der auch in 10.000 Metern noch schmeckt (oder vielleicht gerade dort 😉 ). Quatar Airways beispielsweise hat sich die Dienste von gleich zwei Masters of Wine gesichert, einer davon ist James Cluer. Für die Lufthansa ist Marcus del Monego immer auf der Suche nach dem ultimativen Bordgetränk, 3.5 Millionen Liter pro Jahr werden benötigt.

Wie wichtig das Thema ist, zeigt schon die Tatsache, dass es inzwischen sogar einen Preis für die beste Weinauswahl an Bord gibt, ausgelobt vom Reisemagazin Traveller „wines on the wing“.

Mit diesen Informationen gestärkt lassen wir uns von der netten Stewardess die Weinkarte reichen und können nun genau den richtigen Wein für unseren Urlaubsflug aussuchen. Noch eine kleine Reiselektüre über diese und andere Phänomene,? Oder lieber ein kleines Nickerchen bis zur Landung?

Und wie findet Ihr die Bordverpflegung so ganz allgemein? Was würdet Ihr verändern, wenn Ihr der Airline-Catering-Chef wärt?

 

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