Wein ohne Schnick-Schnack

Zee-1212-2grijsEin herrliches Thema zu dem Michaela Loidl auf Bio-Wein-Online anlässlich der Weinrallye eingeladen hat!

 

wr73Das Verlangen nach den guten alten Zeiten,  in denen man mit dem Pferd durch den Weinberg pflügte und alles andere mit der Hand erledigte, erwacht in stets mehr Winzerherzen.

Damals, als man mit der gesamten  Familie stets wieder mit der Schere durch die Zeilen lief, um Laub zu schneiden – so wie Opa es einem beigebracht hatte. Die Ernte war ein Fest, zu dem Freunde und Verwandte erschienen, und bei dem Rebe für Rebe vorsichtig in Körben verschwand …  War erst einmal alles gepresst, setzte man sich in aller Ruhe hin und wartete geduldig, bis die Gärung begann. Irgendwann zog der Wein um ins Familienfass. Auf das Zeichen von Papa wurde er von dort Flasche für Flasche abgezapft und mit einem Hammerschlag mit einem Korken versehen. Die Damen des Hauses schrieben in schönster Schrift die Etiketten …

Und jetzt?

Chemiker in weißen Kitteln lesen die Beipackzettel der neuesten hippen Zuchthefen, um sich zu überlegen, welchen ausgefallenen Geschmack sie ihrem Wein denn diesmal mitgeben. Vollautomaten tuckern durch die Weinberge, um die Reben vom Weinstock zu schütteln … Kurz den Laptop hochfahren, um die Gärung über WIFI feinzusteuern! Hoffentlich ist im 24/7/365 Abfüllprogramm noch ein Plätzchen frei, sonst wird es mit der Konkurrenzfähigkeit in dieser Saison schwierig!

Aber was ist jetzt Effizienz und was ist Schnick-Schnack? Was ist nötig und was ist Überfluss?

Da kommt es mir doch sehr gelegen, dass ich gerade an der neuen Ausgabe des Super Schoppen Shoppers arbeite und diese das Thema “Genies” hat … Meine Recherche in der Welt der Schlauen Menschen hat mir dann auch in dieser Frage Inspiration geliefert. 🙂

Albert Einstein soll einmal gesagt haben: “Wenn du etwas nicht einfach erklären kannst, dann hast du es selber nicht gut genug verstanden.” Das gilt natürlich nicht nur für seine Relativitätstheorie, sondern auch für das Weinmachen.

Um meinen Punkt etwas zu verdeutlichen, hier ein paar Beispiele:
Den Wein im Keller mit Musik zu beschallen, um ihn in seinen verschiedenen Fermentierungsphasen und im Reifungsprozess zu unterstützen ist für mich Schnick-Schnack! Lange, komplizierte Geschichten über welche Musik in welcher Phase und blablabla …
Und dann: Trauben und Wein so wenig wie möglich anfassen, kaum unter Druck setzen nur der Schwerkraft ihren freien Lauf lassen … Ob man das ohne die dazugehörige Erklärung schmeckt?  Kann das Weglassen auch Schnick-Schnack sein?

Andererseits … Würde man dem Wein all seine spannenden und manchmal undurchsichtigen Geschichten nehmen, was bliebe übrig? Weg wäre sie, die Weinkultur. Man würde schlichtweg saufen! Und das wäre ungemein schade!

Mit anderen Worten: Jeder soll machen was er will, egal, wie kompliziert, egal, wie weit her geholt … Solange es gut gemacht wird – und mit Leidenschaft und Begeisterung! Dann ist es auch nicht überflüssig. Und damit auch niemals Schnick-Schnack!

In diesem Sinne borge ich mir noch einmal das obige Zitat und wandle es nach eigenem Gutdünken um:
“Wenn du die Leidenschaft nicht vermitteln kannst, dann hast du sie selber nicht gut genug verstanden.” (Cordula Eich)

Schnick-Schnack! 😉

 

Wer wissen möchte, wie man dieses Thema auch anders interpretieren kann, sollte auf jeden Fall noch ein paar andere Rallye-Beiträge lesen. Die Zusammenfassung gibt es hier.

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