Wein und Bier

ozapftFragt mal Weinprofis, was das Schönste an einer Weinprobe ist und neun von zehn werden verschmitzt grinsen und antworten: Das Bier danach! Wer am Ende eines Tages durch die Ausstellungshallen der größten Weinmesse, der Pro Wein in Düsseldorf, geht, der sieht sie alle an den Ständen mit einem großen Glas Bier in der Hand, die Winzer, die Weinhändler, die Journalisten und sogar die Vertreter der Mineralwasserhersteller.

Ein frisches, kühles leicht bitteres Bier ist wie kaum etwas anderes geeignet, den von verschiedenen Weinen traktierten Gaumen quasi zu resetten, ihn wieder empfänglich für neue Aromeneindrücke zu machen. Ihn mal so richtig durchzuputzen. Es geht also nichts über ein gut gezapftes Bier!

Wein und Bier sind ja auch gleichermaßen Zeugnisse unserer europäischen Kultur.

Denkt man an das deutsche Bier, so fällt einem gleich das bayerische Reinheitsgebot ein, das in diesem Jahr seinen 500. Geburtstag feiert. Und die Deutschen klopfen sich stolz auf die Schultern, weil das das erste Verbraucherschutzgesetz der Welt gewesen sei.

Nur stimmt das leider nicht so ganz, auch wenn es natürlich eine nette Geschichte ist. Das Reinheitsgebot bzw. Braugesetz von 1516 besagt, dass ein Bier nur aus Hopfen, Gerstenmalz, Hefe und Wasser zu bestehen habe. Punkt! Der Grund war, dass Weizen und Roggen Mangelware waren und viel dringender für die Brotbäckerei gebraucht wurden. Und dass die Zugabe von mancherlei Kräutchen und Mittelchen verboten wurde, hatte seine Ursache darin, dass viele der Gewürze, die die rheinischen oder belgischen Brauer ihrem Bier zusetzen, in Bayern nicht verfügbar waren. So sollte die Konkurrenz ausgeschaltet werden, indem man ihre Biere schlicht verbot.

Heute würde sich so manch ein Bierbrauer wünschen, dieses Gesetz würde endlich ein wenig gelockert, haben doch inzwischen viele ausländische Biere den deutschen den Rang abgelaufen. Bei internationalen Wettbewerben landen so genannte Craft Beers und aromatisierte Biere auf den vordersten Plätzen, Getränke, die hier verschämt als Biermischgetränk verkauft werden müssen, weil sie dem Buchstaben des Gesetzes nach eben kein Bier sind.

champusTrotzdem feiern wir gerne mit den Kollegen von der Bier brauenden Zunft diesen runden Geburtstag. Und was würde sich wohl besser für einen solchen Anlass eigenen als ein Champagnerbier. Ein solches Bier wird genau wie ein Champagner einem Gärprozess in der Flasche unterzogen, gerüttelt und degorgiert. Auch die Flasche ist bauchig wie beim Champagner und mit einem Korken und einer Agraffe verschlossen. Und wenn ich die Flasche öffnen will, sagt die Cordula mit strengem Blick: Moneypenny, ziel bitte auf nichts Teures!

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